Gerrit Brinkhaus: Der Mann, der den größten Fehler in der Softwareentwicklung benennt – und wie Sie ihn vermeiden

gerrit brinkhaus

Einleitung: Der Name, der für eine disruptive Idee steht

In der deutschen Digitalwirtschaft gibt es Persönlichkeiten, die sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben. Sie hinterfragen etablierte Prozesse, stoßen Debatten an und liefern oft unbequeme Wahrheiten. Einer von ihnen ist Gerrit Brinkhaus. Während der Nachname “Brinkhaus” in Deutschland oft mit dem ehemaligen CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus assoziiert wird, hat sich Gerrit Brinkhaus in einer ganz anderen Liga einen Namen gemacht: in der Welt der agilen Softwareentwicklung, der Produktstrategie und der digitalen Transformation. Dieser Artikel beleuchtet die Gedankenwelt von Gerrit Brinkhaus, seine provokanten Thesen zur Verschwendung in der IT und liefert praktische Handlungsempfehlungen für Unternehmen, die echten Nutzen für ihre Kunden schaffen wollen.

Die größte Verschwendung im Software-Development: Ein Blick auf die These von Gerrit Brinkhaus

Es ist eine Szene, die sich in unzähligen Büros auf der ganzen Welt täglich wiederholt: Ein Team von Entwicklern sitzt in einem Raum (oder in einem virtuellen Meeting) und diskutiert über die Produktivität. Die Klage ist immer dieselbe: “Wir schaffen das Sprint-Ziel nicht, weil wir ständig in Meetings sind. Wenn ich nur mehr Zeit zum Coden hätte, wären wir längst fertig.”

Diese vermeintliche Weisheit hat Gerrit Brinkhaus auf den Kopf gestellt. In einem vielbeachteten LinkedIn-Beitrag formulierte er eine These, die wie eine Bombe einschlug: “The biggest waste in software development is not meetings.”  Er räumt mit dem Mythos auf, dass zu viele Besprechungen der größte Feind der Produktivität sind. Seine Begründung ist ebenso einfach wie einleuchtend.

Die eigentliche Verschwendung ist das Bauen eines Produkts, das die Nutzer nicht verwenden werden.  Diese Aussage mag im ersten Moment banal wirken. Schließlich ist es das Ziel jedes Produktmanagers und jeden Entwicklers, eine Lösung für ein Problem zu schaffen. Doch die Realität sieht anders aus. Gerrit Brinkhaus stützt seine Behauptung auf eine erschreckende Zahl: Ein jährlicher Betrag von geschätzt 30 Milliarden US-Dollar wird weltweit für die Entwicklung oder den Kauf von Software ausgegeben, die “selten oder nie” genutzt wird. 

Warum scheitern Software-Projekte? Ein Blick hinter die Kulissen

Warum passiert das? Wenn es doch so offensichtlich ist, dass Software einen Nutzen haben muss, warum scheitern dann so viele Projekte an genau dieser Hürde? Hier liefert Gerrit Brinkhaus eine tiefgreifende Analyse, die weit über die reine Entwicklungsebene hinausgeht. Es ist ein systemisches Problem, das in der Unternehmensführung beginnt.

Er beschreibt den Teufelskreis, der häufig zu beobachten ist: “I would say the biggest waste is meetings that lead to software that is never used. Because many meetings lead to other meetings, but not to the needed clarity. And in between software gets produced on low evidence and lots of best guesses from these meetings.” 

Diese Beobachtung ist vernichtend. Sie zeigt, dass Manager und Entscheider oft in Besprechungen gefangen sind, die keine Klarheit über den tatsächlichen Kundenbedarf schaffen. Stattdessen führen diese Meetings zu weiteren Meetings, während parallel dazu auf Basis von “best guesses” – also fundierten Vermutungen, aber ohne harte Fakten – Software entwickelt wird. Das Ergebnis ist eine Lösung, die auf Annahmen basiert, die möglicherweise nie validiert wurden. Das Team arbeitet hart, aber in die falsche Richtung.

Die Lösung nach Gerrit Brinkhaus: “Shift Left” und der Fokus auf Validierung

Wenn die Diagnose von Gerrit Brinkhaus so klar ist, wie sieht dann die Therapie aus? Wie können Unternehmen sicherstellen, dass sie nicht in die Verschwendungsfalle tappen? Brinkhaus liefert in seinem Beitrag drei konkrete, umsetzbare Strategien, die Führungskräfte und Teams sofort anwenden können.

1. Business-Validierung nach “links” verschieben (“Shift left”)

Traditionell bauen wir zuerst und testen dann am Nutzer. Wenn das Produkt fertig ist, wird es dem Nutzer vorgesetzt – oft mit ernüchternden Ergebnissen. Gerrit Brinkhaus fordert das genaue Gegenteil: Validieren Sie das Design zuerst und bauen Sie dann. 

Unternehmen sollten Prototypen, Job-Maps und ein tiefes Verständnis für die “Job to be done” (die eigentliche Aufgabe, die der Nutzer erledigen möchte) nutzen, bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wird. Dieser Ansatz, bekannt als “Shift Left” (Verlagerung der Validierung nach vorne in den Prozess), spart nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit und Frustration.

2. Interdisziplinäre Teams von Anfang an

Gerrit Brinkhaus plädiert für eine Revolution der Teamzusammensetzung. Häufig werden Entwickler erst dann hinzugezogen, wenn die Anforderungen bereits festgezurrt sind. Oder Designer arbeiten isoliert an Wireframes, ohne das Feedback der Entwickler zu technischen Machbarkeiten einzuholen.

Sein Rat: Starten Sie Projekte mit einem vollständigen, funktionsübergreifenden Team.  Dieses Team besteht aus:

  • Business-Experte / Produktmanager: Kennt den Markt und die strategische Ausrichtung.

  • Designer: Versteht die Nutzererfahrung und gestaltet die Oberfläche.

  • Entwickler: Kennt die technischen Möglichkeiten und Einschränkungen.

Diese drei Perspektiven müssen von Anfang an zusammenarbeiten. Nur so entstehen Produkte, die nicht nur schön aussehen und technisch umsetzbar sind, sondern auch den Geschäftsanforderungen entsprechen.

3. Implementieren Sie eine Feedback-Schleife

Das dritte Element in der Strategie von Gerrit Brinkhaus ist die Etablierung einer kontinuierlichen Feedback-Schleife. Beginnen Sie mit Nutzer-Metriken ab Tag 1.  Es reicht nicht, ein Produkt zu veröffentlichen und dann zu hoffen, dass es läuft.

Brinkhaus rät dazu, Artefakte (Prototypen, Mockups, erste Versionen) früh und regelmäßig den Nutzern zu zeigen – und das gilt selbst im B2B-Bereich. Oft wird argumentiert, dass Geschäftskunden keine Zeit für solche Tests haben. Doch die Erfahrung zeigt, dass sich dieser Aufwand lohnt. In den Tests werden oft Elemente entdeckt, die verwirrend oder unbrauchbar sind. Das Team kann diese Erkenntnisse nutzen, um zu eliminieren, zu verbessern und zu iterieren.

Die Verbindung zur realen Welt: Was Unternehmen jetzt tun können

Die Gedanken von Gerrit Brinkhaus sind nicht nur theoretische Konzepte für Start-ups im Silicon Valley. Sie sind hochgradig relevant für den deutschen Mittelstand, für Konzerne und für öffentliche Einrichtungen, die mit Digitalisierungsprojekten kämpfen.

Viele große Software-Projekte in Deutschland laufen aus dem Ruder, weil sie diese Prinzipien ignorieren. Es wird ein Lastenheft geschrieben, das die Lösung vorschreibt, statt das Problem zu beschreiben. Es wird ausgeschrieben und an den günstigsten Bieter vergeben, ohne dass eine echte Nutzerzentrierung stattfindet. Gerrit Brinkhaus zeigt mit seiner klaren, unverblümten Art, dass es anders geht. Seine Botschaft ist eine Einladung zum Umdenken: Weg von der “Build it and they will come”-Mentalität, hin zu einem evidenzbasierten, nutzerzentrierten Ansatz.

Fazit: Die Lehren von Gerrit Brinkhaus für den deutschen Markt

Gerrit Brinkhaus ist mehr als nur ein LinkedIn-Kommentator. Er ist ein Vordenker, der die schmerzhaften Punkte der modernen Softwareentwicklung präzise auf den Punkt bringt. Seine wichtigste Botschaft ist die Abkehr von der Illusion, dass Produktivität in der Anzahl der geschriebenen Codezeilen gemessen wird. Produktivität misst sich im Mehrwert für den Nutzer.

Indem Unternehmen die Validierung nach vorne verlagern (“Shift Left”), interdisziplinäre Teams bilden und frühzeitig Feedback einholen, können sie die 30-Milliarden-Dollar-Falle umgehen. Es geht darum, weniger zu bauen, aber das Richtige zu bauen. Der Ansatz von Gerrit Brinkhaus bietet einen klaren Fahrplan für Unternehmen, die echten digitalen Mehrwert schaffen wollen – und nicht nur “Software produzieren”.

Es liegt nun an den Führungskräften, diesen Wandel zu vollziehen. Der erste Schritt ist das Bewusstsein für das Problem. Der zweite Schritt ist die Umsetzung. Und der dritte Schritt? Der wird hoffentlich nicht in einem weiteren Meeting verplant.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *